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12.10.2006, 15:28 Uhr | Christian Kunst - Rhein-Zeitung - Ausgabe Neuwied vom 12.10.2006
Rinder weiden bald im Engerser Feld
Dezernatsausschuss IIa spricht sich für Beweidung mit Auerochsen aus - Beirat tagte
In der Meerheck in Heimbach-Weis und im Grenzbachtal grasen sie schon: Die Heckrinder sind beliebt, weil sie eine schonende Beweidung von sensiblen und schwer zugänglichen Flächen ermöglichen. Jetzt erobern die Rückzüchtungen der Auerochsen ein weiteres Areal - das Engerser Feld.

NEUWIED. Vor drei Jahren hatte es Bürgermeister Reiner Kilgen (CDU) bereits angekündigt, war dann aber mit seinem Vorhaben unter anderem auf politische Widerstände gestoßen. Jetzt wird die Idee, im Engerser Feld Heckrinder weiden zu lassen, Realität. Der Dezernatsausschuss IIa hat nach RZ-Informationen während seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für ein entsprechendes Projekt auf einer Gesamtfläche von etwa 23 Hektar gegeben.

Stadtsprecher Erhard Jung wollte gestern lediglich bestätigen, dass der Ausschuss einen Beschluss für die Beweidung durch Heckrinder - eine Rückzüchtung der vor mehr als 500 Jahren ausgestorbenen Auerochsen - gefasst hat. Zu Details wolle sich Bürgermeister Kilgen demnächst äußern.

Wie der vom Ausschuss beschlossenen Verwaltungsvorlage, die der RZ vorliegt, zu entnehmen ist, handelt es sich um eine Fläche, die sich zwischen Panzer- und Hafenstraße und dem Rheinufer befindet. Das insgesamt 41 Hektar große Areal - 23 Hektar davon sind Acker- und Grünland - ist einerseits im Stadteigentum, andererseits hat die Kommune Flächen von den Stadtwerken angepachtet.

Ausgleich für Baugebiete

Ziel des Projekts, das die Verwaltung nach dem Willen des Ausschusses noch in diesem Jahr in Angriff nehmen soll, "ist die Umwandlung von Acker- und Intensivgrünland in Extensivgrünland durch Einrichtung einer extensiven Beweidung mit Rindern". Mit Hilfe der Beweidung will die Stadt im Engerser Feld die Ausgleichsmaßnahmen im Kontext von insgesamt elf Bebauungsplänen umsetzen. Will heißen: Für versiegelte Flächen in Baugebieten wie der Bachstraße, der künftigen Nordumgehung Heimbach-Weis oder "Im Ungefüg" in Feldkirchen muss die Stadt quasi einen ökologischen Ausgleich schaffen.

Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert die Stadt in der Vorlage auf etwa 30 000 Euro. Zugleich hat der Ausschuss die Verwaltung damit beauftragt, eine Förderung beim Umweltministerium zu beantragen.

Für das Beweidungsprojekt im Engerser Feld hat sich während seiner jüngsten Sitzung auch der Naturschutzbeirat des Kreises Neuwied ausgesprochen. In dem unabhängigen Gremium sind neben dem Linzer Bürgermeister Klaus Hannuschke auch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, die Naturschutzverbände, die Industrie- und Handelskammer, der Landesjagdverband, der Verband der deutschen Sportfischer, die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie, die Naturfreunde und der Naturschutzbund vertreten.

Der Beirat empfiehlt dem Kreis und der Stadt Neuwied eindringlich, "zur dringend notwendigen Pflege des wertvollen Engerser Feldes eine Beweidung mit Heckrindern zu starten".

In einem Vortrag des Biologen Günter Hahn und des Ornithologen Torsten Loose bekamen die Beiratsmitglieder einen Einblick in die Schätze des Vogelschutzgebietes, aber auch in seine Probleme. Nach Angaben der Referenten finden sich in dem Areal im Jahresverlauf 230 Vogelarten ein, die Hälfte davon sei als gefährdet einzustufen. Im Winter wurden demnach bereits 10 000 rastende Vögel gezählt. Hier fänden sich zudem die größten Brutkolonien von Graureiher, Kormoran und Schwarzmilan im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Seit Beginn der 80er-Jahre stellten Vogelkundler jedoch einen Rückgang der Arten fest. Dies sei vornehmlich auf den zunehmenden Freizeitdruck zurückzuführen. "Für Vögel bedeutet dies viel Unruhe mit fatalen Folgen. Zur Brutzeit verlassen sie ihre Nester. Im Winter werden die Tiere aufgescheucht und verlieren dabei viel Energie. Oft genug bedeutet dies in Zeiten knapper Nahrung den sicheren Tod", schreibt der Beirat in seiner Pressemitteilung.

Attraktion für Spaziergänger

Und weiter heißt es: "Da die Vögel einerseits Ruhe brauchen, dem Menschen andererseits der Gang in die freie Natur nicht versperrt werden soll, empfiehlt der Naturschutzbeirat dem Kreis und der Stadt Neuwied eindringlich, Maßnahmen zu ergreifen. Aufgrund der verschärften Bedingungen der EU-Naturschutz-Gesetzgebung besteht hierfür sogar eine Verpflichtung. Die Kunst bei einer naturkonformen Weideführung besteht darin, nur so viele Tiere auf die Fläche zu lassen, dass die Pflanzen nicht komplett abgefressen werden. Nur so ist gewährleistet, dass auch Bodenbrüter erfolgreich ihre Jungen aufziehen können."

Die Heckrinder seien überdies eine Attraktion für Spaziergänger. Mehr noch: "Zudem ist der Naturschutz mit den Tieren eine vergleichsweise kostengünstige Maßnahme, die auch noch Geld einspielt. Das Fleisch der Rinder hat nämlich einen vorzüglichen wildähnlichen Geschmack und wird daher gerne gekauft." In der Meerheck haben die sechs dort grasenden Tiere mittlerweile dafür gesorgt, dass die scheue Rohrweihe, ein im Schilf nistender Greifvogel, zwei Junge aufgezogen hat - nach Angaben des Beirats ist dies der einzige Brutplatz im nördlichen Rheinland-Pfalz.
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